Der Mond
Zusammenfassung des Märchens
Vier Burschen aus einem Land, in dem es nachts stockdunkel ist, begeben sich auf Wanderschaft und gelangen in ein Land, in dem eine leuchtende Kugel an einem Eichbaum hängt. Ein Bauer erklärt: Der Schultheiß habe den Mond gekauft und lasse ihn täglich mit Öl pflegen. Die Burschen beschließen, den Mond zu stehlen, hängen ihn zu Hause an einen Eichbaum und erheben wie zuvor Entgelt für sein Leuchten. Als sie alt werden, nimmt jeder von ihnen ein Viertel des Mondes mit ins Grab – das Licht weckt die Toten der Unterwelt. Erst der heilige Petrus beruhigt den Lärm, nimmt den Mond mit in den Himmel und hängt ihn dort auf.
Hintergrund & Geschichte
Der Mond (KHM 175) steht erst ab der 7. Auflage von 1857 in den Kinder- und Hausmärchen. Wilhelm Grimm fand den Stoff in Heinrich Pröhles Sammlung Märchen für die Jugend (1854, Nr. 39, Das Mondenlicht) und hielt ihn in seiner Anmerkung für so schön altertümlich, dass er die Kalevala verglich, in der Sonne und Mond gefangen genommen werden. Wilhelm schmückte die Vorlage aus, etwa durch die im Mondlicht tanzenden Zwerge. Carl Orff komponierte 1937/38 die Oper Der Mond, deren Libretto den vollständigen Märchentext enthält. Textgeschichte & Vergleich mit der Vorlage (1854 vs. 1857): Der Mond (KHM 175, ATU 800 / 1335A) kam erst in der 7. und letzten großen Ausgabe von 1857 in die Kinder- und Hausmärchen und ersetzte dort die Parabel Das Unglück (die von der 4. bis zur 6. Auflage auf Platz 175 stand). Als direkte literarische Vorlage diente Wilhelm Grimm der Text Das Mondenlicht (Nr. 39) aus Heinrich Pröhles Sammlung Märchen für die Jugend (Halle 1854). Während Pröhle die Geschichte noch im nüchternen Ton einer norddeutschen Ortssage erzählt, glättete Wilhelm Grimm den Satzbau stark, fügte archaisierende Wendungen ein und betonte den Kontrast zwischen der weltlichen Schildbürger-Komik (dem geölten und geputzten Mond an der Eiche) und dem eschatologischen Aufruhr in der Unterwelt, den erst Petrus hoch zu Ross beendet.
